Top Secret organisiert Gumpigen - Stadt zieht sich zurück

Nach der Diskussion über Alkoholexzesse und Schlägereien gibt die Stadt Weißenhorn die Organisation der Faschingsparty am Gumpigen Donnerstag ab. Neuer Veranstalter ist die Security-Firma Top Secret.

Vor gut zwei Monaten noch drohte der großen Faschingsparty am Gumpigen Donnerstag in Weißenhorn das Aus. Bürgermeister Wolfgang Fendt sagte: "So geht es nicht weiter." Die Stadt werde als Veranstalter nicht länger die Verantwortung für Alkoholexzesse und Schlägereien tragen. Fendt forderte ein neues Sicherheitskonzept. Ein solches Konzept ist inzwischen, wie berichtet, beschlossen worden (siehe Infokasten). Nun hat die Stadt eine weitere Konsequenz aus den Vorkommnissen der vergangenen Jahre gezogen: Sie zieht sich aus der Organisation zurück.

Ab sofort hat Top Secret das Sagen. Das Security-Unternehmen aus Neu-Ulm ist in diesem Jahr alleiniger Veranstalter, wie dessen Gründer und Sprecher Marco Cusumano der SÜDWEST PRESSE gestern bestätigte. "Da wird viel auf uns zukommen, aber wir freuen uns drauf und sind gut vorbereitet."

Top Secret arbeitet eigenen Angaben zufolge für diverse Unternehmen in der Region, unter anderem für die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm. Die Mitarbeiter hätten viele Erfahrungen bei Veranstaltungen gesammelt, beim Brenzpark-Festival in Heidenheim etwa.

In Weißenhorn will Top Secret mit rund 100 Mitarbeitern vor Ort sein. Das Unternehmen stellt Frauen und Männer, die nicht nur für einen reibungslosen Ablauf der Freiluft-Party sorgen sollen, sondern auch dafür, dass das neue Sicherheitskonzept eingehalten wird. Das Neu-Ulmer Unternehmen kümmert sich als Veranstalter zudem um Marketing, Ticket-Verkauf, Ständevergabe, Absperrungen, Catering-Service und Bühnenaufbau.

Absolutes Neuland betreten die Mitarbeiter von Top Secret in Weißenhorn nicht. Schließlich ist die Firma seit 2006 für Einlasskontrollen und Sicherheit am Gumpigen zuständig und hat ausschließlich "gute Erfahrungen" gemacht, wie der Sprecher des Unternehmens sagte. Ärger und Zwischenfälle habe es durchaus gegeben - jedoch außerhalb des abgesperrten Areals in der Altstadt. Die Security-Leute aus Neu-Ulm hätten die Lage in ihrem Zuständigkeitsbereich auf der Partymeile zwischen Oberem und Unterem Tor im Griff gehabt. Deshalb sagt Top-Secret-Sprecher Cusumano selbstbewusst: "Wir kennen die Gepflogenheiten in Weißenhorn und haben den Auftrag aufgrund unserer jahrelangen guten Leistungen bekommen."

Neben wirtschaftlichen Erwägungen hätten ideelle Gründe eine Rolle bei der Entscheidung gespielt, sich als Veranstalter zu bewerben. Schließlich sei die Faschingsparty am Gumpigen in der Fuggerstadt gelebte Tradition. "Ich bin Faschingsfan", sagt Cusumano. "Das ist ein renommiertes Fest. Ich wollte nicht, dass dieses Brauchtum stirbt."

Das hörte der Weißenhorner Bürgermeister Wolfgang Fendt gerne. Er sagte: "Nun können wir uns wieder auf Fasching freuen. Wir wollen ein Faschingsfest, kein Besäufnis." Zuletzt habe die Party mit Brauchtum nichts mehr zu tun gehabt. Der Rathauschef traut Top Secret zu, die Herausforderung zu meistern, die Party wieder in geordneten Bahnen laufen zu lassen. Ohne Polizei wird es aber auch künftig nicht gehen. "Die haben wir als Stadt gesondert angefordert. Da haben wir natürlich schon eine Verantwortung gegenüber den Bürgern."

Traditionell fließt der Alkohol am Gumpigen in Weißenhorn in Strömen. Die große Faschingsparty in der Altstadt lockt jedes Jahr tausende Narren an. Nicht alle feiern friedlich. Immer wieder hatte die Polizei über Betrunkene berichtet, die ausfällig werden. Über Kinder und Jugendliche, die zu tief ins Glas geschaut haben. "Ein zentraler Aspekt der Veranstaltung ist der hohe Alkoholkonsum, dem sich auch Kinder und Jugendliche nicht verschließen", hieß es dazu kürzlich in einem Schreiben des Weißenhorner Polizei-Chefs Gerhard Klingler an die Stadtverwaltung. Im vergangenen Jahr etwa musste eine betrunkene 15-Jährige ins Krankenhaus gebracht werden. Die Schülerin war bei frostigen Temperaturen außerhalb der Partyzone bewusstlos aufgefunden worden.


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