Der Gumpige im Wandel



Weil Jugendliche am "Gumpigen" diesmal keinen Zutritt zu den Veranstaltungen in der Weißenhorner Innenstadt hatten, feierten sie in einer eigenen Party-Zone: im Eulencafé in der Memminger Straße.

Bild 1 von 1Die Stimmung war offensichtlich famos beim Gumpigen Donnerstag in der Weißenhorner Innenstadt. Foto: Patrick Fauß 
Der Gumpige Donnerstag hat in Weißenhorn eine lange Tradition. Stets wurde an diesem Tag gefeiert und über die Stränge geschlagen. Und stets hat sich der Ablauf verändert. Im 19. Jahrhundert wurden die johlenden Narren von nervösen Autoritäten beäugt, standen immer im Verdacht, sich über die Obrigkeit lustig zu machen. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts konnte die Maskerer noch durch mehr als 20 Weißenhorner Gasthäuser ziehen, von denen heute nur noch wenige bestehen. In den 90ern kam die Freiluftfastnacht mit den Außenbars auf dem Kirchplatz. Vor sechs Jahren wurde die Innenstadt erstmals abgesperrt, damit die Sicherheit für die zu diesem Zeitpunkt rund 5000 Besucher gewährleistet werden konnte. Die Veranstaltung wandelte sich mehr und mehr zur nächtlichen Freiluftparty für die Kostümierten.

In diesem Jahr wurden die Bar-DJs, die jeweils an eigenen Anlagen Musik spielten, von einem zentralen Discjockey auf dem Kirchplatz abgelöst. "Wir wollten ein Open-Air-Feeling schaffen", erläutert Marco Cusumano von der Neu-Ulmer Sicherheitsfirma "Top Secret", die diese Veranstaltung erstmals ausrichtete. Bislang war stets die Stadt Veranstalter gewesen. Das von Cusumano angestrebte Konzept funktionierte. Alt und Jung tanzten und sangen gemeinsam zu Faschingsmusik und internationalen Partyhits. Allerdings war nur etwa die Hälfte der sonstigen Besucher da. Knapp 3000 hat der Veranstalter gezählt. Und noch etwas war anders: Unter 18-Jährige durften zum ersten Mal nicht in den abgesperrten Bereich. Das hatte zur Folge, dass die Abiturienten des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums keine Bar aufbauten. Auch viele Jugendliche aus Vereinen konnten nicht mitmachen.

Ihnen kam eine andere Neuerung an diesem Gumpigen zugute: "SEulen-Café", das erst im Mai in der Memminger Straße eröffnet hat, veranstaltete auf seinem Hof eine Party. Dort war der Einlass bereits ab 16 Jahren gestattet. Entsprechend groß war der Andrang. "Wir waren total überrascht vom Zuspruch", sagt Sabine Tobisch, die das Café gemeinsam mit Ehemann Bernhard Tobisch betreibt. Für Musik und Partylaune sorgten die Mitglieder des Hägar-Faschingshaufens aus Roggenburg-Biberach. Die mächtige Musikanlage auf dem Themenwagen der Hägars sorgte für gute Laune in der neuen Party-Zone. Die Bewirtung mit Spirituosen war streng getrennt von der mit für Jugendliche erlaubten Bier- und Weingetränken. Ein Mitarbeiter des Neu-Ulmer Jugendamts habe sich die Sache angeschaut und die Bemühungen der Wirtsleute gelobt, berichtet Sabine Tobisch. Zwischen 22 und 24 Uhr war die Party mit stets mehr als 400 Teilnehmern proppenvoll.

"Die Fest war in diesem Jahr in über 18 Jahre und unter 18 Jahre aufgeteilt", fasst Günther Findler, Sprecher der Interessengemeinschaft Weißenhorner Fasnacht (IWF), zusammen. In der Innenstadt, der Stadthalle, der Party beim Feuerwehrgerätehaus und Roten Kreuz - allesamt Ü18-Veranstaltungen - waren die Erwachsenen unterwegs, bei der Eulen die Jugendlichen. Rückmeldungen von jungen wie alten Besuchern der Veranstaltungen seien aber nicht negativ gewesen. "Es war einfach anders als sonst."


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