Auf Faschingspartys schaut keiner, wer da was trinkt

Jugendlichen bleibt der Zutritt zur Faschingsparty am Gumpigen Donnerstag in Weißenhorn künftig verwehrt. Sind die verschärften Sicherheitsvorkehrungen richtig? Wir haben bei jungen Leuten nachgefragt.

Auch Jugendliche sollten mitfeiern dürfen am Gumpigen. 
Das neue Sicherheitskonzept für die Faschingsparty am Gumpigen Donnerstag in Weißenhorn sorgt weiter für Gesprächsstoff. Die Veranstaltung hatte immer wieder für Schlagzeilen gesorgt - wegen des hohen Alkoholkonsums auch unter jugendlichen Partygästen, Schlägereien und vielen Polizeieinsätzen. Wie berichtet, hat die Stadt die Organisation der Freiluftparty an die Neu-Ulmer Security-Firma Top Secret abgegeben. Das Unternehmen wiederum zog aus der Debatte um die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes Konsequenzen: Jugendliche müssen künftig draußen bleiben. Top-Secret-Sprecher Marco Cusumano: "Wir wollen keinerlei Risiko eingehen."

Junge Leute üben Kritik an dem Konzept. Es gibt aber auch Zustimmung, wie unsere Umfrage zeigt:

"Ganz ehrlich, auf Faschingspartys schaut keiner, wer da was trinkt", sagt Christine aus Ulm, die ihren vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die 20-Jährige findet es richtig, dass der Einlass in Weißenhorn nun erst ab 18 Jahren erlaubt ist.

Raphael (15) aus Weißenhorn findet es auch gut, dass Jugendliche die Faschingsparty am Gumpigen nicht mehr besuchen dürfen, weil dort zu tief ins Glas geschaut werde. Das betreffe auch Jugendliche. Raphael will sich den Spaß an Fasching nicht nehmen lassen. Er will den Umzug am Faschingsdienstag besuchen, zuvor den Umzug in Biberach am 13. Januar. Auch sein Kumpel Dennis (16) sieht das Verbot positiv. Er sei im vergangenen Jahr mit seinen Eltern in Weißenhorn gewesen. Sein Eindruck: Die Leute waren gut gelaunt, aber es wurde viel Alkohol getrunken.

"Schade für die 16-Jährigen", sagt Andreas Häckel aus Roggenburg-Schießen zur neuen Regelung. "In diesem Alter will man weggehen", meint der 22-Jährige. Die 16- und 17-Jährigen würden wohl andere Orte finden, an denen sie sich treffen können. Er habe die Party am Gumpigen vor sieben Jahren das bislang letzte Mal besucht. Andreas Häckel kennt aber einen 16-Jährigen, der sich sehr gefreut hatte, an diesem Tag endlich in Weißenhorn feiern zu können. Nun werde da nichts draus.

Nach Meinung von Oliver Straub (21) aus Weißenhorn sind 16-Jährige alt genug, um an der Party teilzunehmen. Es sei eben ein Alter, in dem viele Jugendliche abends weggehen wollen. Aus Sicht des Veranstalters sei das Anheben der Altersgrenze aber verständlich.

Stefan Heiligmann (21) aus Dietershofen ist der Auffassung, dass Jugendliche von der Party am Gumpigen Donnerstag fernbleiben sollten. Seiner Meinung nach wird dort einfach zu viel getrunken. Er habe selbst schon schlechte Erfahrungen mit aggressiven Betrunkenen gemacht. Sein Vorschlag: Jugendliche sollten sich lieber eine andere Beschäftigung an diesem Abend suchen.

"Es wird wohl von der Planung her für die Veranstalter leichter sein", meint Manuel Held (17) aus Gannertshofen. Er habe bislang noch keine Party am Gumpigen erlebt. Wenn dieses Jahr ein paar Freunde mitgemacht hätten, wäre er wohl dabei gewesen.

Auch Manuel Faro aus Pfaffenhofen beschäftigen die neuen Sicherheitsvorkehrungen: "Der Unterschied zwischen einem 16-Jährigen und einem 18-Jährigen ist nicht so groß", findet der 25-Jährige. Er plädiert dafür, auch 16-Jährige mitfeiern zu lassen. Schließlich sollte jeder Spaß am Fasching haben. Seine 16 Jahre alte Cousine habe sich gefreut, nun dabei sein zu können. Nun klappe das wieder nicht.

"Jugendliche sollen mit 16 zur Arbeit gehen und auch an anderen Stellen Verantwortung übernehmen, aber beim Traditionsfest werden sie nicht reingelassen", kritisiert Christian Luppold aus Roggenburg-Biberach. Für die Motive des neuen Party-Veranstalters Top Secret hat der 33-Jährige - er organisiert mit dem örtlichen "Hägar Faschingshaufa" den Umzug in Biberach - jedoch Verständnis. Die Gesetzeslage lasse kaum andere Möglichkeiten. Offen bleibe die Frage, wo die Jugendlichen feiern sollen.


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